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LaufTechnik PDF  | Drucken |

1. Grundsätze

2. Der aktive Fußaufsatz

3. Das Gleiten

4. Die Armarbeit

5. Der Ober- und Unterschenkel



1. Grundsätze

Wichtig bei den folgenden Erklärungen ist: Laufen ist eine Ausdauersportart, bei der die Bewegungstechnik eine eher untergeordnete Rolle spielt.

Mangelnde Fitness kann durch perfekte Lauftechnik nicht kompensiert werden, ... aber auf der Suche nach Möglichkeiten zur Leistungssteigerung sollte auch einmal ein Augenmerk auf die Lauftechnik gelegt werden.

Im Langstreckenlauf gilt es prinzipiell lange Strecken mit einer niedrigen oder mittleren Geschwindigkeit zurückzulegen.

Eine Ökonomisierung der Bewegung steht im Vordergrund. Das bedeutet in diesem Zusammenhang, ein bestimmtes Tempo (z.B. das geplante Marathon-Tempo) mit möglichst geringem Aufwand (Intensität) zu bewältigen.

Der Aufwand sollte in vielerlei Hinsicht möglichst gering sein:

  • Geringe muskuläre Beanspruchung durch einen Wechsel von Anspannung und Entspannung und durch weitgehendes Vermeiden von Belastungsspitzen.
  • Geringe Herz-Kreislauf-Belastung (niedrige Herzfrequenz).
  • Niedriger Energieverbrauch (auch durch einen hohen Anteil des Fettstoffwechsels).
  • Geringe Beanspruchung des Binde- und Stützgewebes auf sehr langen Strecken.

Diese Forderung nach größtmöglicher Wirtschaftlichkeit   auf langen Strecken ist die Ursache dafür, dass sich der Laufstil von klassischen Marathonläufern von jenem der 5000 m- und 10.000 m-Bahnläufer unterscheidet.

Welche Faktoren ergeben nun diesen harmonischen Ablauf, der beim Beobachter den Eindruck erweckt, der Läufer könne gar nicht langsam laufen?

Größtmöglicher Wegfall von Bremskräften oder Teilbewegungen, die nicht dem Vortrieb dienen:
   
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2. Der aktive Fußaufsatz

Bereits der Fußaufsatz wird mit einer ziehenden ("scharrenden") Bewegung eingeleitet. Und am Fußaufsatz scheiden sich auch die Geister.

Um es ganz klar zu sagen: entscheidend ist gar nicht so sehr, mit welchem Punkt der Sohle der erste Bodenkontakt erfolgt, sondern in welche Richtung die entstehenden Kräfte wirken. Entsprechende Messungen mit mehrdimensionalen Kraftmessplatten zeigen, dass im Moment des Bodenfassens immer gewisse Bremskräfte, das heißt Kräfte entgegen der Fortbewegungsrichtung, auftreten.

Der stilistisch gute Läufer setzt vielleicht auch über die Ferse auf, aber noch in der Luft antizipiert er den Bodenkontakt und setzt den Fuß aktiv mit einer nach hinten ziehenden Bewegung auf. Die Bremskräfte   werden so minimiert. Die Ferse wird nicht in den Boden gerammt, sondern weich aufgesetzt. Das Wörtchen "aktiv" steht im Mittelpunkt.   Das Fußaufsetzen ist kein passiver Vorgang, wo man sich den Gesetzen der Schwerkraft folgend in den Schritt hineinfallen lässt, sondern der Fuß fasst aktiv den Boden.

Konzentrieren sie sich einmal darauf, es funktioniert auch beim langsamen Dauerlauf. Sie werden merken, dass automatisch der Schwerpunkt höher liegt (weniger "sitzender" Laufstil). Legen sie einen Fußabtreter mit der Borsten- bzw. Teppichseite auf einen glatten Boden und versuche diesen beim Darüberlaufen nach hinten wegzuschleudern. Beim "normalen" Laufen brauchen sie natürlich nicht zu übertreiben,   es reicht meist schon die Konzentration auf diesen Bewegungsablauf.

Es ist eine falsche Behauptung, dass alle schnellen Läufer mit der Vorfußtechnik laufen. Beim Berlin-Marathon wurde den Spitzenläufern (bis ca. 02:30:00) genau auf die Füße geschaut und festgestellt, dass nur 10-15 % bei km 30 nicht über die Ferse aufsetzen. Diese wenigen Vorfußläufer waren darüber hinaus ausschließlich   Leichtgewichte. Selbst diese Läufer haben aber ihre Lauftechnik nicht   von heute auf morgen umgestellt, sondern ihre Füße von klein   auf an diese Belastung gewöhnt, weshalb sie auch dabei bleiben können.

Jedoch findet man auf den Distanzen bis 15 km weitaus häufiger schnelle Vorfußläufer, da bei diesen Geschwindigkeiten das Abrollen zuviel Zeit kosten würde.

Des Weiteren können schwergewichtige Läufer nicht die beim Vorfußlaufen entstehenden Belastungsspitzen tolerieren, weshalb Ermüdungsbrüche der Mittelfußknochen und auch Probleme der überforderten Wadenmuskulatur an der Tagesordnung stehen.

Der langsame Vorfußlauf funktioniert einfach nicht auf lange Dauer!

Das musste im Jahr 2003 auch der äthiopische Wunderläufer Haile Gebrselassie einsehen. Mit seinen 54 kg, die auf 1,65 m Körperlänge verteilt sind, und Hebeln, die perfekt justiert sind, hat er fürs Laufen zwar einen begnadeten Körper. Zusätzlich rollt er aber nicht über die Ferse ab, sondern über den Vorfuß.

In dem vorgenannten Jahr wurde ihm dieser Laufstil, der im über Strecken von 5.000 m bis 10.000 m zahlreiche Titel und Weltrekorde einbrachte, über die Marathondistanz in London zum Verhängnis. Die Belastungen des Vorfußlaufstils waren für 42,195 km und das dafür entsprechende Training einfach zu hoch.

Ich hingegen habe aus ganz anderen Gründen die Vorfußtechnik seit Februar 2002 in meine Trainingseinheiten eingepflegt. Zu diesem Zeitpunkt machte mir die Kniescheibensehne meines rechten Beines und weitere Knie- und Hüftprobleme, die aus der "Schmerzvermeidungshaltung" beim Laufen folgerten so stark zu schaffen, dass ich sogar an den Abbruch der damaligen Saisonvorbereitungen dachte.

Durch die Belastungsänderung des Vorfußlaufs spürte ich bereits nach einer Woche (!) keine Schmerzen mehr in den betroffenen Stellen.

Leider hat das Vorfußlaufen auch eine dunkle Seite: Häufige Achillessehnenschmerzen, die ich jedoch mit einer speziellen Dehntechnik vollends unter Kontrolle bekommen habe.

Wenn sie das richtige Abrollverhalten ganz genau analysieren, so werden sie bei eigentlichen "Fersenläufern" folgenden Verlauf erkennen:

Der erste Bodenkontakt erfolgt über die hintere Fußaußenkante. Bei hoher Laufgeschwindigkeit verlagert sich dieser Aufsatzpunkt weiter nach vorne (Mittelfußbereich) oder noch weiter nach vorne (Bereich des Vorfußes (Fußballen)) beim Sprinter.

  • Kurz vor dem Bodenkontakt sollte man von hinten deutlich erkennen können, dass der Fuß im Sprunggelenk nach innen abgewinkelt wird.
  • Ab dem Bodenkontakt wandert das Sprunggelenk nach innen (Pronationsbewegung), bis der Fuß flach auf dem Boden steht. Wenn der Fuß dann noch weiter nach innen gedreht wird (Einknicken), spricht man von einer Überpronation. Für diese Läufer gibt es stabile Laufschuhe mit Pronationsstützen.
  • Vor dem Abdruck (eine Streckung im Sprunggelenk sollte erkennbar sein) erfolgt schließlich wieder eine leichte Nach-Auswärts-Drehung (Supination), wodurch der Fuß nach dem Abdruck geradlinig nach hinten ausschwingt.

Wie sie den ziehenden Fußaufsatz trainieren können?

Ganz einfach: Leihen sie sich von ihren Sprösslingen den "Mini-Scooter" oder den guten, alten Trittroller aus. Das ist das ideale Trainingsgerät zum Erlernen eines ziehenden Fußaufsatzes und zur dynamischen Kräftigung der dafür notwendigen Oberschenkelrückseite. Damit können sie langsam beginnend auch bei einem Fußaufsatz über die Ferse das Ziehen betonen. Als Zusatznutzen werden sie bemerken, dass der Oberschenkel des Standbeines gekräftigt wird bei gleichzeitiger Stabilisation im Knie- und Hüftgelenk.
   
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3. Das Gleiten

Der Schwerpunkt sollte im Sinne einer größtmöglichen Bewegungsökonomie jedenfalls möglichst gleichförmig, das heißt ohne übermäßige Auf- und Abwärtsbewegung erfolgen, bewegt werden. Der Marathon ist mit über 42 km lang genug, da brauchen sie nicht zusätzlich noch zwei km hoch und tief zu laufen!

Beobachten sie einmal Spitzen-Langstreckenläufer im Fernsehen, wenn man in einer Kameraeinstellung von der Seite nur den Oberkörper sieht.

Kopf und Schulterachse bewegen sich fast geradlinig nach vorne. Jede Hoch-Tiefbewegung bewirkt auch eine stauchende ("exzentrische") Belastung der   Oberschenkelvorderseite. Diese Art der Belastung verursacht den Muskelkater beim ungewohnten Bergablaufen. Gerade in der Endphase eines Marathons fühlt sich diese Muskulatur oft "tot" an, die Krampfneigung steigt und das objektiv nahe Ziel scheint in weiter Ferne. Vielleicht   ist die Lauftechnik schuld. Vielleicht sind sie auf der ersten Hälfte kraftstrotzend zu viel "gehüpft", jetzt bekommen sie die Rechnung präsentiert. Probieren sie einmal bei einem ruhigen Dauerlauf ein Stück mit einem fast vollen Wasserbecher zu laufen. Wenn sie nichts verschütten, machen sie es richtig.
   
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4. Die Armarbeit

Die Arme haben beim Läufer grundsätzlich eine rhythmisierende Aufgabe. "Aktion ist Reaktion" gilt in diesem Zusammenhang. Wenn sie ihre Arme quer vor dem Oberkörper hin und her schwingen, werden auch ihre Beine keinen geradlinigen Bewegungsablauf aufweisen können. Je mehr sie die Armarbeit betonen, umso länger wird ihr Schritt sein. Gerade unter starker Ermüdung kann die Konzentration auf die Armarbeit eine kleine Hilfe sein. "Die Arme sind der Schrittmacher für die Beine", heißt es deshalb nicht ohne Grund.

Beim Langstreckenläufer sollten die Arme im Ellbogengelenk einen Winkel von 45-90 Grad aufweisen. Eine zu tiefe Armführung (wenn die Hände unterhalb des Hüftknochens vorbei nach hinten schwingen) ermöglicht keine hohe Schrittfrequenz.

Der Ellbogen sollte weit hinten oben ausschwingen und damit auch die Aufprallkräfte auffangen. Eine stark verkürzte Brustmuskulatur oder eine falsche Bewegungsvorstellung (die Arme werden oft "schützend" vor der Brust gehalten) führt zu einem übermäßigen Quer-Rotieren der Schulter. Diese starke Schulterrotation erschwert einen flüssigen Laufstil und vergeudet Energie. Oft sieht man auch, dass die Schultern bei zunehmender Anstrengung immer höher gezogen werden. Wieder ein klarer Fall von Energievergeudung und außerdem der Hauptgrund für Verspannungen im Nackenbereich.
   
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5. Der Ober- und Unterschenkel

Der Kniehub - wie hoch der Oberschenkel vorne hoch geführt wird - ist mehr die Folge anderer Teilbewegungen als auslösendes Moment. Wenn sie den relativ schwergewichtigen Oberschenkel mit dem daran montierten Unterschenkel bei jedem Schritt aktiv hoch heben müssen, wird das auf Dauer eine ziemliche kräfteraubende Angelegenheit. Sie können es viel einfacher haben! Was machen sie, wenn die Pendeluhr zu langsam geht? Richtig, sie schieben das Gewicht näher zum Drehpunkt. Betrachten sie auch ihre Beine als eine Art Pendel, die im Hüftgelenk als Drehpunkt fixiert sind.

Wenn sie beim Vorziehen des Beines (nach dem Bodenlösen hinten) den Fußballen gerade drei cm über dem Boden nach vorne schleifen und über jeden mittleren Schotterstein stolpern lässt, kann kein rechter Pendelschwung aufkommen.

Wenn sie aber das Bein nach dem Bodenverlassen im Kniegelenk so weit beugen, dass die Ferse relativ knapp unter dem Gesäß nach vorne schwingt (Anfersen), dann wird auf einmal das Bein ganz von alleine vorne hoch schwingen. Wenn sie sich filmen lässt, in dem Moment, in dem das Schwungbein unter dem Gesäß nach vorne schwingt (der Oberschenkel die Vertikale durchschreitet), sollte der Unterschenkel waagerecht stehen. Bei höherem Lauftempo sollte die Ferse in diesem Moment sogar höher als das Knie liegen.

Warum das so wichtig ist? Weil nur dadurch ein Wechsel von Anspannung und Entspannung der Beinmuskulatur möglich wird, die Grundlage jeder ökonomischen Bewegung.

Wie stark der Kniehub und das Anfersen ausgeprägt sind, ist natürlich in erster Linie von der Laufgeschwindigkeit abhängig. Bei einem Lauftempo von 6 Minuten pro Kilometer sind noch kaum ein Abrollen des Fußes und auch kaum ein dynamischer Abdruck zu erkennen. Wichtig ist, dass vordere und hintere Schwungfase gleich deutlich ausgeprägt sind, d.h. dass sie weder "sitzend", noch mit starker Vorlage unterwegs sind.

Gibt es den idealen Laufstil?

Es gibt wohl eine ideale Lauftechnik, aber nur einen individuell optimalen Laufstil. Die Unterschiede im Stil werden von folgenden Faktoren beeinflusst:

Beweglichkeit: Eine wesentliche Voraussetzung für einen ökonomischen Laufstil ist natürlich eine ausreichende Beweglichkeit. Stretching dient also nicht nur zur Verletzungsvorbeugung, sondern auch direkt zum schnelleren Laufen über lange Strecken. Wenn sie bei jedem Kniehub große innere Widerstände überwinden müssen, weil die Oberschenkelrückseitestark verkürzt ist, dann haben sie noch nie die Schönheit der fließenden, entspannten Laufbewegung erfahren.

  • Beinlänge und andere anthropometrische Maßverhältnisse (auch Größe und Gewicht)
  • Kraftniveau, bzw. muskuläre Disbalancen
  • Bewegungsvorstellung (also "ziehender Fußaufsatz" etc.)
  • Eventuell vorhandene oder auch überwundene Verletzungen
  • Fußfehlstellungen (Überpronation oder Supination (Einknicken nach innen bzw. außen))
  • Laufschuhe (vor allem Ausmaß der Dämpfung).
Jeder Laufschuh stellt einen gewissen Kompromiss von Dämpfung und Stabilität dar. Auch wenn das die Werbung manchmal behauptet, eine Kombination von hervorragender Dämpfung und hoher Stabilität ist einfach nicht möglich. Gerade zu Beginn sollten sie eher zu stabileren Schuhen mit einer guten Führung greifen, während die Dämpfung (egal ob Air, Gel etc.) nicht so wichtig ist. Eine übermäßige Dämpfung führt dazu, dass sie mitunter gar nicht merken, dass sie bei jedem Schritt die Ferse in den Asphalt rammen, weil der Schuh alles schluckt. Der Laufschuh soll in erster Linie dazu dienen, dass sie den Fuß richtig abrollen.

Durch diese Vielzahl von Faktoren gibt es unterschiedlichste stilistische Ausprägungen. Manche Dinge sind als Fehler zu bewerten, andere sind unproblematisch. Fehler werden durch zigtausende Schritte automatisiert und sind nur schwer zu korrigieren.

Deshalb ist eine gute koordinative Ausbildung bereits für Jugendliche so wichtig.

Eine Leistungsverbesserung durch einen ökonomischen Laufstil können sie auch indirekt dadurch erreichen, weil sie weniger zu Verletzungen neigen. Beim typischen Langstreckenschritt werden auftretenden Belastungsspitzen (vor allem beim Fußaufsatz) geglättet. Ein bewusst kurzer Bodenkontakt ("Abschlagbewegung") schont zwar die Gelenke (vor allem das Kniegelenk), stellt jedoch eine höhere Belastung für Muskulatur und Sehnen dar. Aus diesem Grund sollten sie bei den meisten Kniebeschwerden eher auf hartem Untergrund mit stabilen Laufschuhen ohne übermäßige Dämpfung laufen. Wenn sie zu Problemen mit Sehnenansätzen (das häufigste Läuferleiden!) und der Muskulatur neigen, ist hingegen ein weicher Untergrund vorteilhafter.

Vor lauter Furcht, beim Laufen irgendetwas falsch zu machen, sollten sie aber eines nie vergessen: der größte Fehler ist nicht zu laufen!

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